- Gedichte -




©Gerd Altmann / pixelio.de


Unsichtbar


Ein kleiner Wichtel sitzt verborgen
und lugt durch einen schmalen Spalt.
Voller Spannung auf den Morgen
wartend, werden ihm die Füße kalt.

Er spürt in seinem kleinen Herzen,
dass etwas Wunderbares naht.
Er sieht im Zimmer viele Kerzen,
einen Kranz, aufgehängt am Draht.

Und scheinbar schwerelos an Zweigen
schweben Kugeln, ganz aus Glas.
Auch Vöglein, Engelchen und Geigen,
eine Trommel gar, ein Kontrabass.

Jetzt werden seine Augen groß
größer als zwei Autoreifen.
Was ist nur hier im Hause los?
Er kann es nicht begreifen.

Hineingetragen in den Raum
wird eine große schlanke Tanne.
Ja, ein echter Weihnachtsbaum.
Den Fuß im Wasser einer Wanne

steht rank er, wie ein Zinnsoldat,
und reckt sich nach der Decke.
Das Nadelkleid grün so wie Spinat
und dicht wie eine Sommerhecke.

Aus Kisten holen fleiß´ge Hände
den Weihnachtsschmuck heraus
und putzen beinah ohne Ende,
bis alles glänzt im Haus.

Nun kommen noch die Lichter,
der Wichtel staunt wie nie zuvor.
Sie zaubern Glück in die Gesichter,
und Musik klingt leis in seinem Ohr.

Ein Summen, wie von Engelsschwingen
erfüllt den winzig kleinen Mann
die frohe Botschaft ihm zu bringen
der heil´ge Abend fängt jetzt an.

Endlich, denkt er, ist´s soweit,
will hüpfen, tanzen viele Male.
Die Grütze steht für ihn bereit
und süße Milch in einer Schale.

Die Menschen wissen ganz genau,
dass es die Wichtelmännchen gibt.
Und auch die treue Wichtelfrau
die ist bei Jung und Alt beliebt.

Drum denkt in dieser Weihnachtszeit
mit ihren fürsorglichen Thesen
und ihrer frohen Sternenseligkeit
an diese unsichtbaren Wesen.


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Veröffentlicht am 21.12.2010 - verfasst von Henriette Jakob - Webseite: Henriettes Welt